Erbarmungslos hat das Ebola-Virus die Menschheit getroffen und unermessliche Schäden angerichtet. Wenn so etwas passiert, sind wir vielleicht versucht zu fragen: „Wo ist Gott?”. Und wenn Menschen angstbesetzt nach einer gesellschaftlichen Rechtfertigung dafür suchen, Mauern zu errichten, die die verdächtigen und ungewollten Fremden fernhalten sollen, sind wir versucht zu fragen: „Was ist aus der Mitmenschlichkeit geworden?”

Und dann kommt Weihnachten, wo wir uns an das Mysterium der Menschwerdung erinnern.

Durch den Sohn nimmt Gott seinen Wohnsitz unter uns ein. Gott selbst erfährt rundherum Unglück, Leid und Ablehnung und den Schmerz des Todes. In Jesus geht Gott den Weg der Verzweiflung, durchquert die Wüste der Verlassenheit und trägt die Kleidung eines Ausgestoßenen, der das Elend der Ausgrenzung erleidet.

Gott weiß, womit wir konfrontiert sind, wenn Entmutigung unsere gläubige Zuversicht bedroht. Gott versteht es, wenn wir angesichts des Albtraums dieser durch Infektion entstandenen Pandemie die Frucht der Verwirrung essen und den Wein der Hoffnungslosigkeit trinken. Gott sieht es, wenn wir uns am Tisch der Ängstlichkeit laben und unseren persönlichen Selbsterhalt über die Forderungen der Nächstenliebe stellen.

Der eine, der in Jesus wahrhafter Gott und wahrhafter Mensch ist, kennt unsere Freuden und unsere Sorgen. Gott versteht die Siege und Niederlagen, die uns auf unserem irdischen Weg begleiten. Durch die Fleischwerdung erinnert Gott uns an das Geheimnis der göttlichen Liebe, an das Rätsel göttlicher Barmherzigkeit und das Wunder göttlicher Gnade.

„Das Wort wurde ein Mensch von Fleisch und Blut und lebte unter uns … voller Gnade und Wahrheit” (Joh 1,14; NGÜ). Wir sind nicht alleine. Der Gott, der auf die Erde kam, um unter uns zu leben und der zum Himmel aufgefahren ist, nachdem er an unserer irdischen Natur teil hatte, ist nach wie vor bei uns. In Christus haben wir „Anteil an Seiner göttlichen Natur bekommen” (2. Petr 1,4; NGÜ). Darum ist es uns möglich, Jubel inmitten von Tragödien zu empfinden und Hoffnungsträger auf einem von Notlagen geprägten Weg zu sein. Gott, der uns durch Jesus nah gekommen ist, geht immer mit uns.

Wenn wir aus der Kraft leben, die uns durch unseren menschgewordenen und auferstandenen Herrn zuteil geworden ist, wird uns der Glaube nicht abhanden kommen.

Neville Callam
Generalsekretär
Baptistischen Weltbundes